
Eine Frau...
(dh) Corinna Finke sitzt mir in der Sonne des späten Herbsts gegenüber. Das Gespräch mit der frisch gebackenen Vorsitzenden der SPD Fraktion im Rat der Stadt Hildesheim ist wie immer in den vielen Jahren, die wir uns kennen, wohltuend offen, unangestrengt und freundlich. Wer aber Corinna Finke wegen eben dieser ruhigen Art unterschätzt, hat sich gründlich geirrt.
Die Finkes waren als Jusos 1989 in die SPD eingetreten, schon bald kommt bei Corinna Finke zu dem „Wir wollten in einer Zeit, als es der SPD nicht so gut ging, Flagge zeigen, einfach nur Mitglied sein.“ ein Wille zur Mitgestaltung und auch recht schnell der Einsatz in führenden Positionen. Das in ebenso einem fairen, demokratischen Prozess und immer offen, im Gegensatz zu der Art, wie sich heute gern durchgesetzt wird, auch in der Politik, mit Ellenbogen und Machtspielchen. „Nein, das wollte ich nie, ich wollte immer morgens nach meinen Werten in den Spiegel schauen können.“
Es gab von Anfang an ein grundsätzliches politisches Interesse, besonders im Bereich Bildung und Schule und eine sozialdemokratische Grundhaltung. Der eine oder andere Anspruch musste im Rückblick abgestrichen werden, denn in der kommunalen Politik geht es nicht um die ganz große Ideologie, eher um den Alltag der Bürger. „Aber dafür ist es im Stadtrat auch nicht so schwarz-weiß, manches geht gut Partei übergreifend.“ Gemeinsam mit den Grünen will es die SPD Fraktion nun im Rat machen. „Wir hatten inhaltlich einfach die größte Schnittmenge z.B. in Bildungsfragen und Fragen des Verkehrs und der Stadtentwicklung.“ Und wie lange wird die Liaison halten? Obwohl sich Finke beim Antworten normalerweise Zeit zum Überlegen lässt, hier kommt ein strahlendes, spontanes aber überzeugtes „Na, die ganze Legislaturperiode!“
Mädchen, die von ihren Vätern gefördert und unterstützt wurden, entwickeln sich, so sagt man, häufig zu erfolgreichen, selbst bestimmten Frauen. Vater Hubert Schmidtke war ein politisch Interessierter und gewerkschaftlich Engagierter, es wurde zu Haus immer gewählt, sozialdemokratisch gewählt. In den Anfängen ihrer politisch aktiven Zeit hatte sich Corinna Finke einmal beiseite schubsen lassen. Der Hinweis des Vaters: 'Das tust du nie wieder, so was stehst du in Zukunft durch.' wurde danach umgesetzt. Finke holt sich von Menschen, denen sie vertraut, gern einen Rat, dann aber geht sie überzeugt und gerade ihren Weg. Väter geförderte Frauen sind so.1989 wie erwähnt Parteieintritt, Anfang der 90er Juso Leitungsgruppe, SPD Chefin 1998-2002, Ratsfrau seit 2001, stellvertretende Fraktionsvorsitzende ab 2006, Vorsitzende im Aufsichtsrat des Hildesheimer Marketing und nun Fraktionsvorsitzende mit zwei Männern als Stellvertreter. Vater Schmidtke wäre stolz auf sie, könnte er es noch erleben.
Und sie ist überzeugt, dass die vielen unbezahlten Arbeitsstunden im Ehrenamt, die sich nun sicher noch erhöhen werden, lohnen. „Ohne das gäbe es keine Demokratie.“
Andreas und Corinna Finke sind Eltern von vier selbstbewussten, engagierten Kindern. Auch für ein mögliches, willkommenes fünftes hätte es noch ein Kinderzimmer gegeben. Nun sind es vier: Tochter – Sohn – Tochter – Sohn. Alle sind mit Erfolg auf dem Weg, nur der Jüngste ist noch zu Haus, alle können mit Sprache umgehen, Bücher und das Lesen haben im Hause Finke einen hohen Stellenwert. Und sie sind mit Werten groß geworden, mit christlicher Nächstenliebe. Im Haus Finkes zählt das Miteinander, nicht das Einzelkämpfertum, was die Familie auch durch schwieriges wirtschaftliches Fahrwasser brachte, die Solidarität stärkte und die Kinder zu Persönlichkeiten heranreifen ließ.
Corinna Finke wird ihre Fraktion stark führen, sie wird genau das tun, wovon sie nach einem demokratischen Abwägungsprozess mit ihren Kollegen und Kolleginnen überzeugt ist. Sie wird ihr politisches Geschäft offen, fair und gradlinig betreiben. Dr. Lore Auerbach kommt ihr sofort in den Sinn, als nach herausragenden Hildesheimer Sozialdemokraten gefragt wird. Kein Wunder.
… geht ihren politischen Weg konsequent
(November 2011)